Zarenpalast in Bialowieza

Zarenpalast in Bialowieza

Geschichte

Die Webseite ist dem Jagdschloss der russischen Zaren gewidmet, welches sich mitten im Herzen des Tiefland-Urwalds von Bialowieza befindet. Wäre es nicht zerstört worden, wäre es heute definitiv eines der interessantesten architektonischen Monumente in der Region Podlasie in Polen. Es hat sich eindeutig von der typischen Architektur der Region unterschieden, was vorwiegend an seinen exotischen Elementen lag.

  • • Der Hauptgrund für den Bau des Palastes an dieser Stelle inmitten des Urwalds war das hier noch nicht ausgestorbene Bison, das größte Tier Europas.
  • • Baubeginn des Palasts war im Frühling 1889. Es wurde im Sommer 1894 fertig gestellt.
  • • 1894 wurde eine kaiserliche Jagd zu Ehren Zar Alexander III. organisiert. Sein erster Besuch des Anwesens in Bialowieza war zugleich sein letzer, da er im gleichen Jahr noch verstarb.
  • • Besuche Nicholas II. und seiner Familie wurden 1897,1900, 1903, 1906 und 1912 organisiert.
  • • 1897 wurde auch der Ausbau der Eisenbahnstrecke nach Bialowieza beendet.
  • • Im gleichen Jahr wurde auch das Gebäude der orthodoxen Kirche des Heiligen Nicholas, dem Wunderheiler, beendet.
  • • Ein 50-Hektar großer Wald im englischen Stil wurde von Walerian Kronenberg (1859-1934) rund um das Anwesen entworfen und ist, nach verbreiteter Meinung, das herausragendste Werk des Künstlers.
  • • Architekt: Graf Nicholas de Rochefort (1846-1905) (im russischen gibt es zwei Schreibweisen für seinen Nachnamen: Рoшфор oder Рoшeфор). Er war Absolvent der besten russischen Architekturinstitute: Николаевская инженерная академия (Nikolaevsky Ingenieursinstitut zu St. Petersburg) und Строительноe училищe (Fakultät für Architektur). Letzteres änderte später seinen Namen zu Институт Гражданских Инженеров-ИГИ (Institut für zivile Ingenieurs- und Konstruktionswissenschaften). Diese theoretische und praktische Berühmtheit entwickelte und installierte viele moderne Details im Palast. Hauptkriterien waren dabei Funktionalismus und Dauerhaftigkeit. Obwohl er eine große Rolle in der russischen Architektur spielt, ist er heute fast komplett vergessen. Die Geschichte spielte ihm, genau wie seinem architektonischen Hauptwerk, übel mit.
  • • Das Jagdschloss des Zaren in Bialowieza ist ein typisches Beispiel der Jagdarchitektur, die besonders in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts sehr beliebt war. Alle Gebäude dieses Typs haben zwei Hauptmerkmale: einen Turm und eine große Halle mit einem Kamin, die als Treffplatz nach der Jagd dient.
  • • Die Zimmer waren meist eher schlicht eingerichtet, um die Gleichheit aller Mitglieder der Jagdgruppe zu betonen. Die meisten Gebäude dieses Typs waren mit einem landschaftlich gestalteten Park und einem Zoo verbunden.
  • • Die Architektur des Palastes war vielseitig. Dies zeigte sich in den enthaltenen russischen, schweizerischen, mittelalterlichen Motiven, aber auch denen der Renaissance, die alle enthalten waren. Dennoch muss betont werden, dass dieser prächtige Jagdsitz keinerlei Kopie eines dieser Stile darstellt, sondern viele eigene einzigartige Charakteristika besaß.
  • • Die Künstler versuchten, eine Form zu finden, die geeignet war, die Funktion des Gebäudes zu repräsentieren und zu unterstützen. Sie mussten Strenge und Einfachheit kombinieren, die sowohl typisch für die Natur der Jagd sind als auch gleichzeitig den Hausherren, den russischen Zaren, adäquat repräsentieren. Diese neue, moderne, aber auch angemessene, Gebäudeart zu finden war oft das Problem des 19.Jahrhunderts.
  • • Die Innenarchitektur umfasst viele moderne Details. Schon 1905 wurde geschrieben, dass es sich hierbei um die ersten Zeichen des neuen Stils in Russland handelt. Charakteristika des Art Nouveau erschienen erstmals in der russischen Architektur.
  • • Während des ersten Weltkriegs wurde der Palast vorwiegend von den Deutschen genutzt.
  • • Vor dem zweiten Weltkrieg wurde der Palast als Försterei-Internat, als katholische Kapelle und als Museum des Urzeit-Waldes genutzt.
  • • Nach 1930 befanden sich hier die repräsentativen Apartments des polnischen Präsidenten Ignacy Moscicki
  • • Während des zweiten Weltkriegs nutzen die Sowjets und die Deutschen den Palast.
  • • Im Sommer 1944, während der Evakuierung der deutschen Truppen, schlug eine Granate im hohen Turm des Palastes ein und entfachte ein Feuer im Gebäude.
  • • Zwischen 1961 und 1963 wurden die Ruinen des Gebäudes abgerissen.
  • • Heutzutage befindet sich hier das Museum für Natur und Försterei des Tiefland-Urwald Bialowieza.

Der Palast, der nur 50 Jahre genutzt werden konnte, ist ein wichtiger Teil der Geschichte des Bialowieza Tiefland-Urwald. Es war eine Weiterführung der letzten Ära von kaiserlichen Jagden und hat die Entwicklung der Region sehr beeinflusst. Mit der Erbauung dieses Jagdschlosses begann die bedeutende Ära Bialowiezas. Die schwer erreichbare Gegend zog nun nicht nur die Familie des Zaren an, sondern auch Künstler, Intellektuelle und Politiker.

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